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Was ist eigentlich bei moderenen Radaranlagen auf Booten wichtig.

Ich finde es irgendwie verwirrend. Es gibt bei Radaranlagen anscheinend unterschiedliche Techniken und jeder nennt die Anlangen irgendwie anders. Was mus ich bei einer modernen Radaranlage beachten?

Frage vom 18.12.2012

Expertenantworten

Boatoon Crew boatoon

Antwort 1

Nebel, Regen und Nacht machen eine Fahrt nach Sicht manchmal unmöglich. Als wertvolle Unterstützung gibt es Radaranlagen. Richtig eingestellt und bedient sind diese Anlagen oft das einzige verbleibende Auge bei schlechter Sicht.

Grundlagen der Radartechnik

Radaranlagen kommen ursprünglich aus der Großschifffahrt. Daher stammt auch die Annahme, dass solche Anlagen schwer sind, Unmengen an Strom verbrauchen und nur von Profis bedient werden können.

Sämtliche Yachtelektronikhersteller haben in den vergangenen Jahren viele Innovationen im Bereich des Yachtradars hervor gebracht. Heutzutage sind die Anlagen auf kleinen Boote ab ca. 6m problemlos zu betreiben. Radaranlagen haben einen großen Unterschied zu allen anderen Navigationsgeräten. Sie erzeugen ein Bild der Umgebung. GPS, Kartenplotter und auch AIS erzeugen ein Bild der Umgebung auf Grund von Daten, die berechnet wurden. Sind die errechnete Position oder die Seekarte falsch, kann dieses verhängnisvolle Folgen haben. Mit dem Radar bekommt der Betrachter ein Bild welches der Umgebung entspricht. Es ist daher also das einzige Navigationsgerät welches unabhängig von externen Quellen ein Bild der Realität zeichnet.

Mit den Innovationen der Yachthersteller ist auch einen Vielzahl an Begriffen und Fachbezeichnungen entwickelt worden. HD, Broadband, 4G, ColorRadar, Multiscan etc. All diese Bezeichnungen beinhalten Hinweise auf die verwendete Technologie oder die Leistungsfähigkeit der Geräte.

Grundlegend besteht jedes Radar aus einer Radarantenne als Radom oder als Schlitzstrahler und dem Sichtgerät mit dem das Bild sichtbar gemacht wird.
Radomantennen sind in sich geschlossene runde Antennen. Innerhalb dieses Runden „Kastens“ befinden sich die beweglichen Antennenteile. Bei Schlitzstrahlern sieht man den beweglichen Antennenbalken. Die kleineren Radomantennen eignen sich besonders für kleinere Boote und Segelyachten. Die Chance, dass sich Leinen oder etwas anderes an der Antenne verfängt ist durch die Bauart deutlich minimiert. Die größeren Schlitzstrahler haben durch ihre Breite eine wesentlich höhere Auflösung. Generell haben Antennen mit einem größeren Durchmesser oder bei Schlitzstrahlern mit größerer Breite eine höhere Auflösung.

Sichtbar gemacht wird das Radarbild heutzutage auf den Multifunktionsdisplays und Kartenplottern. Darüber erfolgt die Bedienung der Anlage und die Interpretation und Weiterverarbeitung des Bildes.
Bei der Technologie mit der das Bild erzeugt wird, gibt es derzeitig zwei verschiedene Ansätze. Die meisten Hersteller setzen auf die klassische Hochspannungs-Magnetrons. Diese Einheit produziert Mikrowellen, sendet diese aus und ermittelt aus der Laufzeitmessung bis die ausgesendeten Wellen zurück an der Antenne sind die Entfernung zwischen Sender und Objekt. Bei den neuartigen Broadband Radaranlagen wird eine kontinuierliche Übertragungswelle gesendet, die in ihrer Frequenz ansteigt. Bei der Reflexion der Welle durch Objekte wird die Frequenz verändert und damit kann die Laufzeit des Signals und so die Entfernung des Objektes errechnet werden. Diese System basieren also auf der Grundlage der Frequenzmodulation.
Jede dieser Technologien hat Vor- und Nachteile. Die Broadband Radaranlagen verbrauchen weniger Strom und senden weniger Strahlung aus. Durch die verwendete Technologie gibt es auch keinen Totenwinkel, in dem das Radar blind ist. Auflösungen im Bereich von unter 50m sind mit solchen Anlagen möglich – sie haben also einen Deutlichen Vorteil im Nahbereich. Der große Nachteil ist, dass die Broadband Radas anfälliger für Störungen durch Regen und Nebel sind und in weiten Entfernungen nicht mehr so gute Resultate liefern. Zudem können Sie keine Signale von aktiven Radarantwortbaken (Racon) darstellen.

Nutzung der Radaranlage

Ist das Radarbild erzeugt, muss es auf einem Multifunktionsdisplay dargestellt werden. Hierbei gibt es grundsätzlich verschieden Möglichkeiten der Darstellung. Zunächst einmal wird das Bild mit der Vorausrichtung oben dargestellt. Also oben auf dem Bildschirm ist direkt vor dem Bug des Schiffes. Diese Darstellung wird auch Head-Up genannt. Liegen im Marinenetzwerk, z.B. durch einen Autopiloten Kompassdaten vor, so kann das Radarbild auch mit Nord-oben oder North-Up dargestellt werden. Mit vorhandenen Kompassdaten lassen auch viele Systeme heute ein Radaroverlay zu. Dabei wird das Radarbild über das Bild der elektronischen Seekarte gelegt. Mit dem Radaroverlay ist die Interpretation des Radarbildes erheblich vereinfacht.

Mit vorhandenen Kompassdaten lässt sich auch die sogenannte Marpa Funktion nutzen. Marpa steht für Mini automatic radar plotting aid. Dabei verfolgt das Radarsystem selbständig ausgewählte Ziele, wie z.B. ein großes Frachtschiff und gibt an wann sich das eigenen Boot und das Frachtschiff Schiffe in welcher Entfernung begegnen werden, also die geringste Entfernung zueinander haben werden. Solch einen Funktion ist zur Kollisionsverhütung extrem hilfreich.

Der Betrieb von Radarantennen ist heutzutage relativ einfach geworden. Fast alle Hersteller haben automatische Einstellungen für die Signalverstärkung und die Rauschunterdrückung. Auch passen sich die meisten Systeme heute selbständig an sich verändernde Wetterbedingungen durch Regen oder Wellengang an. Dennoch muss der Nutzer lernen das Bild richtig zu interpretieren. Der einzige Weg das sicher zu beherrschen ist Übung. Nur wer das Bild bei guter Sicht richtig interpretieren kann, in dem er ständig das Radarbild mit der Realität vergleicht, kann sich bei Nebel auf das Radarbild verlassen, denn dann ist man auf den eigenen Augen meist fast blind.

Auswahl der richtigen Radaranlage

Wie so oft muss auch bei den Radaranlagen die Auswahl von verschiedensten Faktoren abhängig gemacht werden. Durch die sinnvolle Integration in bestehende Komponenten wie Kompasssensor und Kartenplotter fällt die Auswahl für die eine oder andere Technologie der Bilderstellung relativ einfach. Man ist mehr oder weniger gezwungen bei seinem jeweiligen Hersteller der bestehenden Navigationselektronik zu bleiben. Raymarine, Furuno, Garmin und viele andere setzen auf die klassische Magnetron-Puls Technologie. Die Marken aus dem Hause Navico, also Lowrance, Simrad und B&G setzte bei den kleineren Geräten auf die Broadband Technologie. Hat man die Chance die komplette Navigationselektronik neu zu gestalten, dann bleibt einem die Qual der Wahl für die eine oder andere Technologie. Hierbei muss jeder selber entscheiden welche Vor- und Nachteile letztendlich den Ausschlag geben. Bei der Wahl der Antenne sollte vor allem die geplante Platzierung auf dem Boot Grundlage für einen Entscheidung sein. Oft wird zusätzlich zu der Antenne eine passende Mast oder Deckshalterung benötigt. Ist der Einbau erledigt sollte die Anlage wann immer es geht genutzt werden, um möglichst viel Übung für den Fall von wirklich schlechter Sicht zu bekommen.

Antwort vom 18.12.2012

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