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Wassersport-Wissen: Wassersportler fragen - Experten antworten
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Expertenantworten
Antwort 1
Gerade bei kleinen Crews an Bord kann das Rudergehen lästig werden. Autopiloten können dabei ein zuverlässiger Helfer sein, dafür muss aber das passende Gerät installiert und richtig konfiguriert sein.
Auswahl der richtigen Autopilotkomponenten:
Ein Autopilot besteht grundlegend aus vier verschiedenen Komponenten. Nur ein optimales Zusammenspiel aller Komponenten garantiert ein zuverlässiges automatisches Steuern des Bootes.
Die Komponenten sind:
1. Antriebseinheit elektromechanisch oder hydraulisch zum Ausführen der
Ruderbewegungen
2. Sensoren für Ruderlage, Kompasskurs, Roll- und Gierbewegungen sowie für die Windrichtung
3. Bedieneinheit
4. Computer zur Berechnung der Steuerbefehle
Grundlegend fängt die richtige Auswahl eines Autopiloten bei der Antriebseinheit an. Die Antriebseinheit muss mit dem Ruder verbunden werden, um es später zu bewegen. Hat das Boot eine hydraulische Steuerung, kann eine elektrische Hydraulikpumpe in das Steuerungssystem integriert werden. Bei einer mechanischen Steuerung über Seilzge oder z.B. Teleflexkabel, die in
der Regel auf einen Ruderarm oder Ruderqadranten an der Ruderwelle wirken, muss ein elektromechanischer Antrieb oder eine eigenständiger Hydraulikzylinder installiert werden. Für Boote mit Z-Drive System oder mit modernen POD Antrieben, wie das Volvo IPS, gibt es ebenfalls
spezielle Antriebseinheiten. Die Auswahl der entsprechenden Antriebseinheit in der richtigen Größe richtet sich insbesondere nach der Verdrängung, Länge des Bootes, Bauart des Bootes und der Größe des Ruderblattes, denn alle diese Faktoren haben Einfluss auf die benötigte Kraft zum
Legen des Ruders. Bei hydraulischen Steueranlagen ist zudem das Volumen des Steuerzylinders zu beachten. Die Hersteller von Autopiloten machen zu allen angebotenen Antriebseinheiten entsprechende Angaben.
Für Boote mit Pinnensteuerung gibt es in sich eigenständige Pinnenpiloten, die manuell auf die Pinnen geklemmt werden. Für kleinere Boote mit Radsteuerung gibt es Radpiloten, die mit der Antriebseinheit direkt auf das Steuerrad wirken. Sollte das Boot bereits eine Antriebseinheit von
einem älteren Autopiloten besitzen, der schon optimal in die Ruderanlage integriert ist, so können mit dem richtigen Kurscomputer diese Antriebseinheiten in der Regel weiter genutzt werden.
Die Steuerbefehle für die Antriebseinheit werden von einem Kurscomputer berechnet und gesendet. Die Größe, die Leistungsaufnahme der Antriebseinheit sowie die Art des Bootes oder der Yacht ist für die Auswahl des richtigen Kurscomputers entscheidend. Die Steuerbefehle berechnet der Kurscomputer aus verschiedenen Sensordaten. Die wichtigste Information für den
Kurscomputer ist der Kompasskurs. Aus der Schiffsvorausrichtung entnimmt der Autopilot die grundlegenden Steuerbefehle. Zur genaueren Bestimmung des richtigen Ruderausschlags erhöht ein Ruderlagesensor zudem die Zuverlässigkeit eines Autopiloten entscheidend. Gerade größere
Autopilotsysteme haben in den Kurscomputer integrierte Bewegungssensoren, welche Bewegungen des Bootes auf Grund von Wellengang antizipieren und mit in die Berechnung der Steuerbefehle integrieren. Auf Segelyachten gibt es zudem die Möglichkeit Winddaten mit einem Windsensor in die automatische Steuerung einflieáen zu lassen. So kann z.B. immer ein bestimmter
Winkel zum Wind gesteuert werden. Fast alle modernen Autopilotsysteme lassen sich mit einem GPS Gerät koppeln, sodass Wegepunkte direkt angesteuert werden können.
Bedient wird der Autopilot in der Regel ber ein eigenständiges Bedienteil, welches am Steuerstand installiert wird. Hier wird der Steuerkurs eingestellt und der Autopilot aktiviert und deaktiviert. Das Bediensteil ist außer bei Pinnen- und Radpiloten die einzige Komponente, die bei
einem modernen Autopiloten sichtbar ist. Die Antriebseinheit ist verdeckt im Bereich des Ruders montiert, der Kurscomputer verdeck an einem Schott.
Zusammenfassend wird ausgehend von der Antriebseinheit das System des Autopiloten aufgebaut. Zusätzliche Bewegunssensoren und Ruderlagegeber verbessern die Steuerqualität des Autopiloten entscheidend. Grundlegend kann es sinnvoll sein, die Auswahl des Autopiloten-Herstellers von bereits vorhandenen Navigationskomponenten abhängig zu machen. Die größten
Hersteller von Autopilotsystemen sind Garmin, Simrad und Raymarine. Innerhalb eines Herstellers ist es immer einfacher, bereits vorhandene Daten für weitere Zwecke zu verwenden. So können z.B. bei einer vorhandenen Radaranlage Kompassdaten für eine Radar-Karten-Overlay genutzt werden.
Installation des Autopiloten
Rad und Pinnenpiloten lassen sich einfach installieren. Größere Installationen an der Ruderanlage sind nicht erforderlich. Bei elektromechanischen und hydraulischen Antriebseinheiten ist ein
fachgerechter Einbau dringend empfohlen, um eine Beeinträchtigung der Ruderanlage zu vermeiden.
Der Kurscomputer muss in der vorgeschriebenen Position verschraubt werden, damit integrierte Bewegungssensoren richtige Messwerte liefern. Der Fluxgate-Kompass, der die Schiffsvorausrichtung in einen elektrischen Kompasskurs umwandelt, muss möglichst frei von Fremdeinflüssen durch größere metallische Objekte installiert werden. Nur so kann der Kompasssensor richtige Daten liefern.
Bei der Installation des Ruderlagesensors ist insbesondere darauf zu achten, dass die Mittschiffsposition des Ruders richtig gemessen wird. In der Regel lassen sich die Sensoren justieren, um die Mittellage des Ruders genau zu treffen.
Das Bedienteil sollte am Steuerstand in Griffweite des Rudergängers platziert werden. Insbesondere in Gefahrensituationen muss der Steuermann schnell den Autopiloten deaktivieren und das Boot von Hand weiter steuern.
Inbetriebnahme und Nutzung des Autopiloten
Der Autopilot sollte zunächst am Liegeplatz auf Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Hier ist es wichtig zu wissen, ob die Antriebseinheit sich richtig aktiviert und bei der Deaktivierung das Ruder auch wieder komplett frei gibt. Funktionieren alle Komponenten, wird der Steuerkurs richtig angezeigt und sendet der Ruderlagensensor richtige Daten, steht einer ersten Erprobung nichts im Weg. Bei einer Erprobung ist dringend auf freies Wasser, wenig anderen Schiffsverkehr sowie wenig Wind und Wellen zu achten. Jeder Hersteller von Autopiloten hat verschiedene Justierungsprogramme, die über das Bedienteil aktiviert werden mssen. Dabei mssen in langsamer Geschwindigkeit verschiedenste Manöver wie das Fahren von Kreisen und
Geradeausstrecken absolviert werden. Aus diesen Manövern erlernt der Kurscomputer die nötigen Steuerimpulse und die benötigten Ruderausschläge. Meist können diese Justierungsprogramme nur schwer unterbrochen werden, weshalb der freie Seeraum notwendig ist.
Ist der Autopilot fertig justiert, kann das neue Crewmitglied genutzt werden. Aber wie bei jedem neuen Crewmitglied, muss man auch hier erst erfahren, wie sich der neue Helfer verhält - es gilt Vertrauen zu gewinnen. Häufig fährt das Boot am Anfang Schlangenlinien, was auf einen zu großen
Ruderausschlag zurck zu führen ist. Auch ein zu geringer Ruderausschlag kann gerade beim Kurswechseln zu ungenauen Steuerbewegungen führen. Hier sind die Daten, die das Autopilotsystem durch die Justierungsprogramme ermittelt hat nicht ganz korrekt und müssen ggf. manuell nachjustiert werden. Sollte es sich um eine Autopilotanlage ohne Ruderlagesensor handeln, so muss der Autopilot angeschaltet werden, wenn sich das Ruder in der
Mittschiffsposition befindet. Anders kann der Autopilot das Boot nicht richtig steuern.
Zusammenfassend liegen die größten Hürden bei der Anschaffung eines Autopiloten in der Auswahl der richtig dimensionierten Komponenten passend zum bestehenden Rudersystem. Bei der Installation darf auf keinen Fall die Ruderanlage beeinträchtigt werden. Bei der Inbetriebnahme
ist eine saubere Justierung zwingende Voraussetzung für ein gutes Steuerverhalten im späteren Regelbetrieb. Auch wenn der Autopilot richtig justiert ist und ggf. sogar mit dem GPS gekoppelt ist, um selbständig Wegepunkte anzusteuern, so ersetzt kein Autopilot einen guten Ausguck und eine ständige Navigation.













